Deutschland

In Deutschland gibt es gegenwärtig etwa 11-15 Millionen Öfen und Heizkessel für feste Brennstoffe. Im Jahr 2015 haben Feuerungsanlagen in Haushalten 26.860 Tonnen PM2,5 sowie 8.240 Tonnen Ruß ausgestoßen – weit mehr als der Straßenverkehr. Mit Scheitholz betriebene Einzelraumfeuerungen verursachen knapp 80% der insgesamt durch Holzverbrennung bedingten Feinstaubemissionen – darunter zählen Kaminöfen zu den relevantesten Anlagen.

Im europäischen Vergleich ist die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1.BImSchV) vergleichsweise anspruchsvoll. Sie enthält konkrete Vorgaben zu erlaubten Brennstoffen und Anforderungen zum maximalen Feuchtegehalt von Holz. Zudem sind Emissionsgrenzwerte für Feinstaub sowie diverse weitere Schadstoffe festgelegt. Seit Januar 2015 müssen neue Holzöfen und -kessel strengere Feinstaub-Grenzwerte einhalten - je nach Anlagentyp und verwendeten Brennstoff zwischen 20 mg/m3 und 40 mg/m3.
Zum Vergleich: Mit Gas betriebene Heizkessel stoßen deutlich weniger als 1 mg/m3 aus.

Probleme

Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen beinhalten jedoch diverse Unzulänglichkeiten und Schlupflöcher:

  • Einzelraumfeuerungsanlagen (wie z.B. Kaminöfen) müssen die Emissionsgrenzwerte lediglich auf dem Prüfstand im Rahmen der Typprüfung einhalten. Die Messmethode spiegelt nicht die realen Nutzungsbedingungen wider.
  • Bei Heizkesseln muss die Einhaltung der Grenzwerte zusätzlich alle zwei Jahre durch wiederkehrende Vor-Ort-Messungen seitens der Schornsteinfeger kontrolliert werden.
    Allerdings sind die dabei gewährten Messtoleranzen zu hoch und weichen den Grenzwert deutlich auf. 
  • Die Übergangsfristen für die Stilllegung, den Austausch bzw. die Nachrüstung von Altanlagen sind viel zu lang und die Umsetzung wird von den zuständigen Stellen nur unzureichend kontrolliert.
  • Für bestehende Anlagen gibt es außerdem zahlreiche Ausnahmeregelungen, die Betreiber von der Pflicht der Stilllegung oder des Austausches entbinden: Diese gelten unter anderem für historische Öfen, für Öfen, welche Alleinheizung der Wohnung sind, sowie für offene Kamine.
  • In Deutschland existiert keine wirksame Marktüberwachung, die überprüft, ob die produzierten und in Verkehr gebrachten Produkte mit den Angaben der Typprüfung übereinstimmen. Hierdurch werden Falschangaben und Produktfälschungen begünstigt.
  • Nicht zuletzt ist der behördliche Umgang mit Beschwerden durch Holzfeuerung verbesserungswürdig: Zahlreiche Zuschriften offenbaren, dass viele Bürgerinnen und Bürger seit Jahren von Geruchs- und Rauchbelastung betroffen sind und keine wirksame Unterstützung durch die zuständigen Ordnungsämter erfahren.

 

 

„Der Dieselskandal in der Automobilindustrie hat gezeigt, was passiert, wenn man blind den Laborwerten auf dem Prüfstand vertraut. Auch für Öfen und Kessel sind daher realistischere Messverfahren und eine wirksame Marktüberwachung dringend geboten.“
Dr. Axel Friedrich, Internationaler Experte für Verkehr und Luftreinhaltung