Vor Ort vorangehen: Städte und Regionen

Insbesondere beim Heizen mit Holz zeigt sich, dass Klimaschutz und Luftreinhaltung eng verwoben sind. Holz als nachwachsender Brennstoff kann eine gute Alternative zu Wärme aus Erdöl, Gas und Kohle sein. Allerdings müssen hierfür Öfen und Heizkessel erheblich sauberer werden. Gerade kleine, manuell betriebene Anlagen können viele Rußpartikel ausstoßen, die zur Erderwärmung beitragen. Das trübt die Klimabilanz dieser Anlagen deutlich.

Städte und Regionen sollten sich nicht hinter den laxen EU-Vorgaben verstecken, sondern das Problem aktiv als Teil der Umwelt- und Klimaschutzstrategie angehen. 

Warum sind Kaminöfen und Co. ein Problem für die Luftqualität?

Laut Europäischer Umweltagentur sind Kaminöfen und andere Feuerungsanlagen die größte Quelle von zahlreichen Luftschadstoffen. Dazu gehören Feinstaub (PM2,5), Rußpartikel (Black carbon/BC) und die Teerverbindung Benzo(a)pyren (BaP). In Baden-Württemberg sind Öfen und Heizkessel beispielsweise für 38 % des Feinstaubs und knapp 45 % der Benzo(a)pyren-Emissionen verantwortlich.

Die gegenwärtigen EU-Vorgaben für Feinstaub in der Außenluft sind deutlich schwächer als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Vier von fünf Stadtbewohnern atmen mehr Feinstaub ein als die WHO für unbedenklich hält. Allerdings ist die Belastung häufig überhaupt nicht bekannt: Viele Wohngebiete oder ländliche Regionen werden vom offiziellen Messnetz gar nicht erfasst.

Kaminöfen und Co. spielen eine maßgebliche Rolle: Grenzwertüberschreitungen sind vornehmlich in der Heizperiode zu verzeichnen. Messungen von Clean Heat in Wohngebieten haben zudem gezeigt, dass durch Holzfeuerung die örtliche Partikelbelastung drastisch ansteigen kann.

Vor allem bei den besonders beliebten Kaminöfen liegen die tatsächlichen Emissionen meist ein Vielfaches über den Herstellerangaben. Etwa 90 % der Partikel aus der Holzfeuerung besitzen eine Größe von weniger als einem Mikrometer. Das bedeutet: Je kleiner die betrachtete Partikelfraktion, desto höher der Anteil der Emissionen aus Kleinfeuerungsanlagen – dies gilt vor allem für gesundheitlich besonders relevante ultrafeine Partikel bzw. Rußpartikel, die derzeit jedoch noch nicht über die offiziellen Messnetze erfasst werden.

Städte und Regionen sind daher gefordert, über die EU-Standards hinauszugehen, um die Gesundheit der Bürger wirksam zu schützen. 

Was sollten Städte und Regionen tun, um die Luftqualität vor Ort zu verbessern?

Anforderungen für Kleinfeuerungsanlagen verschärfen und Umstieg auf emissionsarme Technik vorantreiben

  • Führen Sie in Bebauungsplänen oder Verbrennungssatzungen Minimalstandards für Anlagen ein: Erlauben Sie in belasteten Städten und Regionen nur Feuerungsanlagen, die mit wirksamer Emissionsminderungstechnik ausgestattet sind.

  • Treiben Sie parallel dazu die Stilllegung von Altanlagen voran. Fördern Sie Gebäudeeffizienz und andere erneuerbare Wärmequellen (u.a. Wärmepumpen).

  • Seien Sie ein gutes Vorbild: Kommunale Wärmeerzeuger sollten ihre Holzheizungsanlagen mit Abgasreinigungstechnik ausstatten.

Gewusst?

In bestehenden oder neuen Wohngebieten lässt sich das Heizen mit Holz u.a. auf Grundlage von §9, Absatz 23 des BauGB einschränken. So kann festgelegt werden, dass "...zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes bestimmte Luft verunreinigende Stoffe nicht oder nur beschränkt verwendet werden dürfen". 

Auf das Problem aufmerksam machen und Informationen bereitstellen

  • Informieren Sie Bürger über die aktuelle Luftqualität und Überschreitungen (wie z.B. der Feinstaubalarm in Stuttgart).

  • Starten Sie Informationskampagnen zu den Umweltwirkungen des Heizens mit Holz: Organisieren Sie Bürgerveranstaltungen, verlinken Sie auf unsere Webseite und nutzen Sie unsere Materialien, unsere mobilen Ausstellung und unseren Kurzfilm

  • Vermitteln Sie Wissen zur richtigen Ofennutzung (z.B. in Form von Seminaren, wie von der Stadt Reutlingen angeboten).

Recht auf saubere Luft durchsetzen

  • Schaffen Sie klare Zuständigkeiten und informieren Sie, an wen sich Bürger im Falle von Problemen mit Anlagen in der Nachbarschaft wenden können.

  • Unterstützen Sie Bürger, die von Rauch und Geruch betroffen sind: Setzen Sie geltendes Recht mit effektiven Kontrollmaßnahmen und Sanktionen durch. Veranlassen Sie Aschetests bei Verdacht auf Brennstoffmissbrauch und prüfen Sie, ob die Ableitbedingungen in Ordnung sind.


Kontaktieren Sie uns gerne, falls Sie aktiv werden möchten und weitere Informationen benötigen!